Gedenken an die ehemaligen KZ-Häftlinge von Pottenstein

Im Rahmen eines Treffens der Nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts, nahm Victor Rother, Delegierter des Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen, nun an einer Gedenkveranstaltung für die ehemaligen Häftlinge des KZ-Außenlagers von Flossenbürg in Pottenstein teil. Der Journalist und Autor des Buches „Touristenidylle und KZ-Grauen“ Peter Engelbrecht, führte die TeilnehmerInnen zudem an die lokalen Orte der NS-Vergangenheit.

Victor Rother, Mitglied im Sprecherrat des Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen
Mitte: Victor Rother, Mitglied im Sprecherrat des Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen

Die Stadt Pottenstein in der Fränkischen Schweiz ist den meisten als Urlaubsort, wegen den malerischen Felslandschaften und der beeindruckenden Teufelshöhle, bekannt. Kaum jemand weiß, dass in der Kleinstadt zwischen 1942 und 1945 ein KZ-Außenlager von Flossenbürg bestand. Über 700 KZ-Häftlinge mussten dort unmenschliche Zwangsarbeit leisten. Fast 400 wurden arbeitsunfähig und todkrank zurück nach Flossenbürg geschickt, was einem sicheren Todesurteil gleich kam. Die KZ-Außenstellte holte einst Dr. Hans Brand, Geologe und SS-Standartenführer, in den beschaulichen Ort.

Das Gebäude in dem die Männer untergebracht waren, die sogenannte „Magerscheune“, steht bis heute. Brand nutzte die KZ-Häftlinge um Baracken für die Eliteeinheit SS-Karstwehr zu schaffen, eine Einheit die speziell für Regionen mit Höhlen und Schluchten ausgebildet wurde. Die SS-Karstwehr wurde später zur PartisanInnenbekämpfung in Slowenien und Venetien eingesetzt und verübte dort, auch unter dem Kommando Brands, schlimmste Kriegsverbrechen.

Die Stadt Pottenstein profitiert bis heute enorm von der Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge – schufen sie doch die Infrastrutkur für den Fremdenverkehr. So mussten die Menschen aus ganz Europa den heutigen Schöngrundsee anlegen, der damals zur Erprobung von Gewässerüberquerungen durch die SS-Karstwehr genutzt wurde und heute von zahlreichen Tretbooten bevölkert wird. Sie bauten die Teufelshöhle aus, legten den Großparkplatz vor der Höhle an und planierten Straßen, die immer noch befahren werden.

Der von den Zwangsarbeitern angelegte Schöngrundsee
Der von den Zwangsarbeitern angelegte Schöngrundsee

Die Stadt Pottenstein tat sich viele Jahre lang schwer, mit der Aufarbeitung ihrer braunen Vergangenheit. Bis 1987 fanden Reservistentreffen der SS-Einheit in dem Ort statt. Dem SS-Standartenführer Hans Brand wurde sein Engagement für die Stadt durch eine Bronzetafel am Eingang der Teufelshöhle und der Benennung einer Straße nach ihm gedankt. Nach einem Hinweis auf das KZ-Außenlager und dessen Häftlinge, suchte man viele Jahre lang vergebens in dem Luftkurort. Erst nach großem öffentlichen und medialen Druck wurde am 28. Mai 1995 eine Gedenktafel auf dem Pottensteiner Friedhof enthüllt. Die Inschrift lautet: „Gefangen, Vertrieben, Enteignet, Gehungert, Getötet, Entrechtet. Wir gedenken aller Menschen, denen durch Krieg und Gewaltherrschafft Unrecht an Leben, Leib und Besitz widerfahren ist. Von 1942 – 1945 wurden im Außenlager Pottenstein des KZ Flossenbürg mehrere hundert Häftlinge zur Zwangsarbeit verpflichtet. Der Mut und die Hilfsbereitschaft, die die Bevölkerung den Häftlingen entgegenbrachte, sollen Mahnung und Vorbild sein. Stadt Pottenstein.“

Nichts und Niemand ist vergessen
Nichts und Niemand ist vergessen

Die damaligen Verantwortlichen der Stadt konnten sich nicht dazu durchringen, einen Gedenkstein an prominenter Stelle z.B. am Schöngrundsee zu errichten. So musste eine unscheinbare Tafel auf dem Friedhof, mit allgemein gehaltenem Text und der Botschaft, dass alle Pottensteiner-BürgerInnen den KZ-Häftlingen halfen und keiner von ihnen ein Nazi war, genügen, um an das Leid der Häftlinge zu erinnern.

Aktuell plant die Stadt bis 2015 eine Ausstellung im ehemaligen KZ-Gebäude „Magerscheune“ einzurichten. Die nach Hans Brand benannte Straße wurde im Jahr 2001 wieder umbenannt und die Bronzetafel am Eingang der Teufelshöhle gestohlen.

Am Gedenken in Pottenstein, zu der die Nordbayerischen Bündnisse gegen Rechts geladen hatten, nahm auch der Bürgermeister teil. Die Anwesenden legten ein Blumenbukett am ehemaligen KZ-Außenlager ab und erinnerten so an die Opfer des Faschismus.

Buchempfehlung: „Touristenidylle und KZ-Grauen“ – Vergangenheitsbewältigung in Pottenstein, von Peter Engelbrecht.

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