Friedlicher Protest soll behindert werden – Polizei kündigt Vorgehen gegen lauten Protest an

Zusätzlich zur Gegenkundgebung unter dem Motto “Schöner leben ohne Nazis – Weißenburg wehrt sich!” des Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen haben nun die Grünen eine weitere Gegenkundgebung in der Zeit von 13 bis 16 Uhr am Wimmer-Eck (Westseite des Gotischen Rathauses) angemeldet. Anlass dafür ist eine geplante NPD-Kundgebung am nächsten Dienstag auf dem Marktplatz von Weißenburg. In einem Telefonat hat die Polizei bereits angekündigt, dies nicht genehmigen lassen zu wollen.

Auch die Kundgebungen der Piraten (Ecke Judengasse/Marktplatz), der Linken (Friedrich-Ebert-Straße/nach dem Spitaltor) sowie die beiden Kundgebungen von ver.di (Marktplatz bis 12.30 Uhr, danach Südseite des Marktplatzes) sollen ohne stichhaltige Begründung verboten werden. Die NPD soll damit die Möglichkeit bekommen, in Ruhe ihre Kundgebung abzuhalten. Weiterhin kündigt die Polizei an, gegen laute Proteste vorgehen zu wollen.

Erkan Dinar, Mitglied im Sprecherrat des Landkreisbündnis gegen Rechts WUG, dazu:

“Wir sind fassungslos. Die Bürger von Weißenburg haben letztes Jahr im März eindrucksvoll bewiesen, dass friedlicher und lautstarker Protest über viele Stunden hinweg möglich ist. Wir fordern das Landratsamt als Genehmigungsbehörde auf, dem friedlichen Protest gegen die NPD nicht im Wege zu stehen. Der Weißenburger Marktplatz gehört den Menschen und keiner rassistischen Partei.

Auch ist es nicht zu akzeptieren, den Ladeninhabern am Markptplatz vorzuschlagen, ihre Geschäfte während der Nazi-Kundgebung zu schließen. Dafür gibt es keinen Grund. Die Strategie, alle Türen und Fenster zu schließen und darauf zu hoffen, dass der Spuk von alleine vorbeizieht, hat schon in Ostdeutschland nicht funktioniert und mit dazu beigetragen, rechtsradikale Strukturen zu etablieren. Wir unterstützen die Überlegungen der Grünen, der Linken und auch von ver.di, bei Ablehnungsbescheiden ihrer Kundgebungsanmeldungen sofort per Widerspruch den Klageweg zu bestreiten.”

Großrazzia gegen das „Freie Netz Süd“ – Hausdurchsuchung in Weißenburg

Am Mittwoch, den 10. Juli 2013, durchsuchten Polizeibeamt_innen über 70 Wohnungen, Arbeitsplätze, Versände und Postfächer von Neonazis in ganz Bayern. Die in der Öffentlichkeit seit Wochen erwartete Aktion richtete sich gegen das militante Neonazinetzwerk „Freies Netz Süd“ (FNS). Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lobte anschließend vor allem den Verfassungsschutz.

Das „Freie Netz Süd“ bekommt Besuch

Um 4.00 Uhr früh legten die 700 Polizeibeamt_innen mit ihren Razzien los. Ein „vereinsgesetzliches Ermittlungsverfahren“ des bayrischen Innenministeriums gegen den bayerischen Kameradschaftsdachverband „Freies Netz Süd“ (FNS) hatte die Aktionen ausgelöst, „Strukturen dieses Netzwerkes“ sollten demzufolge aufgeklärt und lediglich „Beweismaterial für ein Vereinsverbot“ gesammelt werden.

Ziel der Durchsuchungen waren zum einen die Führungskader des „Freien Netz Süd“, zum anderen die jeweiligen Führungspersonen der dem FNS zugerechneten Kameradschaften sowie bayerische Neonazis, die sich regelmäßig an Aktionen des FNS beteiligen.

Nach a.i.d.a.-Informationen hat es so zum Beispiel neben der FNS-Führungsspitze aus Matthias Fischer (Fürth), Norman Kempken (Nürnberg) und Tony Gentsch (Regnitzlosau-Oberprex) auch den beim FNS aktiven verurteilten Rechtsterroristen Martin Wiese „getroffen“. Die oberpfälzischen FNS-Kader Robin Siener (Lkr. Cham), Simon Preisinger (Flossenbürg) und Daniel Weigl (Schwandorf) erhielten ebenso Besuch, bei letzterem auch dessen Neonaziversand „Final Resistance“ (Wackersdorf).Im oberbayerischen Markt Schwaben war Razzia beim „Kameradschaft München“-Leiter Karl Heinz Statzberger, in Karlstadt beim unterfränkischen FNS-Kopf Matthias Bauerfeind, im niederbayerischen Landau wurde bei dem bekannten Aktivisten Mike Edling durchsucht, in Weißenburg bei Martin B., dem führenden Aktivisten der „Freien Nationalisten Weißenburg“ und in Mettenheim bei Daniel Petzold, dem presserechtlich Verantwortlichen mehrerer Homepages aus den Kreisen des FNS.

In München-Obermenzing wurde das Haus von Vanessa Becker (Aktivistin beim „Freien Netz Süd“ und bei der „Bürgerinitiative Ausländerstopp München“, BIA), Franz Sedlbauer und Daniel Thönnessen durchsucht. Zumindest Thönnessen dürfte sich mit Vereinsverboten auskennen, gehörte er doch bereits der mittlerweile verbotenen und gewaltbereiten „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) an.Im oberfränkischen Regnitzlosau-Oberprex betraten die Beamt_innen die vom FNS genutzte Immobilie „Nationales Zentrum Hochfranken“ („Oberprex 47“), in Bad Wörishofen sollen sie Räume des Anti-Antifa-Aktivisten Stefan Friedmann und in Nürnberg die des Anti-Antifa-Fotografen Sebastian Schmaus durchsucht haben, in Würzburg lief die Polizei beim FNS-Aktivisten Uwe Meenen ein. Meenen und Kempken stellen mit dem „Bund Frankenland e. V.“ dem FNS eine vereinsrechtliche Struktur beispielsweise zur Anmeldung von Konzertveranstaltungen zur Verfügung. Polizeiaktionen in Bayerisch Schwaben wurden neben dem Landkreis Unterallgäu auch aus dem Stadtgebiet Augsburg gemeldet, in Mittelfranken soll es weitere Durchsuchungen in Erlangen, im Landkreis Nürnberger Land sowie Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim gegeben haben.

Das „Freie Netz Süd“ hat im Vorfeld der Kommunalwahlen in München im Jahr 2014 die Fortsetzung der Arbeit in der NPD-Liste „Bürgerinitiative Ausländerstopp München“ (BIA) offiziell erklärt. Bei BIA-Kopf Karl Richter (München) gab’s dennoch keine Razzia. Im Visier der Polizei seien, so zählte es der bayerische Verfassungsschutzpräsident Burkhard Körner auf, die Kameradschaften „Freie Nationalisten Hof“, „AG Bayreuth“, „Kameradschaft Main-Spessart“, „Nationales Bündnis Oberpfalz“, „Nationales Bündnis Niederbayern“, „Kameradschaft München“, „Widerstand Schwandorf“ und „Kameradschaft Geisenhausen“ gestanden.

Diese Liste entspricht nur teilweise den tatsächlich in der Vergangenheit und aktuell im „Freien Netz Süd“ zusammengeschlossenen neonazistischen Organisationen und Bündnissen. Einige Gruppen fehlen, andere haben sich in der letzten Zeit aufgrund der zu erwartetenden Repressionsmaßnahmen gegen das FNS aus taktischen Gründen umbenannt.

Hakenkreuzfahnen, Waffen, BIA-Transparent

Beim Polizeieinsatz in München musste eine Gartenmauer und eine Haustürscheibe dran glauben. Hier wie bei der Hälfte der Razzien wurden Spezialeinheiten eingesetzt, denen die Neonazis jedoch wenig entgegensetzten.

Nur wenige der durchsuchten Neonazis scheinen noch Zeit für twitter- und facebook-Warnungen gehabt zu haben; Einer soll seinen Computer aus dem Fenster geworfen haben und in der Nazi-WG von München-Obermenzing versteckten die Bewohner_innen (erfolglos) wohl noch schnell einen Laptop im Sperrmüll.

Die anstehenden Razzien im Rahmen eines voraussichtlichen Vereinsverbotsverfahrens gegen das FNS waren in den letzten Wochen in der Öffentlichkeit kein großes Geheimnis gewesen.Dennoch konnten die eingesetzten Polizeikräfte in den Neonaziwohnungen nicht nur mehrere Hakenkreuzfahnen, Hakenkreuzarmbinden, Hitlerplastiken und Hitlerporträts (sowie ein Transparent von Karl Richters BIA) beschlagnahmen, sondern auch eine ganze Reihe Waffen sicherstellen. Auch wenn deren waffenrechtliche Beurteilung noch nicht abgeschlossen ist, wird durch die Vielzahl an aufgefundenen Messern, Reizgasgeräten, einer „9mm-Selbstschußanlage“, Faustfeuerwaffen, Stabhandgranaten, Knüppeln, Baseballschlägern und einem Karabiner die Gefährlichkeit des militanten Neonazinetzwerks FNS deutlich.

Genauso dokumentieren die sichergestellten CDs wie „Adolf Hitler lebt“ von „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ (mit dem „Dönerkiller“-Song von 2010), „Unter dem Hakenkreuz“ von „Endlösung“, „The white race will prevail“ von „Race War“, „Blood & Honour – Voices of Solidarity“ und „Zillertaler Türkenjäger“ etc. die im „Freien Netz Süd“ übliche Menschenverachtung.

Neu sind diese Erkenntnisse jedoch keineswegs. Seit Jahren ist die NS-Verherrlichung, der Rassismus und Antisemitismus des „Freien Netz Süd“ und seiner Untergruppierungen genauso bewiesen wie die von den FNS-lern ausgeübte Gewalt. Und diese Belege stammen fast ausschließlich aus öffentlichen Quellen, aus Verlautbarungen von FNS und Kameradschaften sowie von öffentlichen Versammlungen. Antifaschist_innen, Fachjournalist_innen, Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen haben dies in einer Vielzahl von Recherchen und Veröffentlichungen immer wieder thematisiert.

Aktivist_innen und Sympathisant_innen des „Freien Netz Süd“ haben in den letzten vier Jahren eine Vielzahl von Straftaten und gewalttätiger Übergriffe begangen, die bis hin zum Mordversuch reichen. Bei den Aufmärschen des FNS hat es, spätestens seit dem 1. Mai-Aufmarsch in Weiden 2009, fast regelmäßig Durchbruchsversuche und massive Angriffe auf Journalist_innen, Antifaschist_innen und Polizeibeamt_innen gegeben. Auf der Internetpräsenz des FNS bekennen sich die Neonazis zudem zumindest implizit zu illegalen Aktionen, veröffentlichen Täterfotos von Tatorten oder billigen und verharmlosen Straftaten.Mehrere Neonazis betreiben, von den Behörden seit Jahren weitgehend ungehindert, für das „Freie Netz Süd“ die sogenannte „Anti-Antifa-Arbeit“, also das illegale Filmen, Fotografieren und Ausspähen von Nazigegner_innen, das bisher in vielen Diffamierungen, Bedrohungen und militanten Anschlägen gipfelte. Der Polizei in Fürth beispielsweise ist es in den letzten Jahren nie gelungen, auch nur eine der massiven Sachbeschädigungen durch Neonazis, die bis zum Anzünden eines PKWs reichten, aufzuklären.

Das FNS und seine lange Geschichte

Nach dem Verbot des neonazistischen Kameradschaftsdachverbands „Fränkische Aktionsfront“ (FAF) Ende Dezember 2003/ Anfang Januar 2004 organisierten sich die vom Verbot betroffenen Neonazis zunächst in den bayerischen Bezirksverbänden der NPD bzw. deren Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Gegen die Nachfolgetätigkeiten gingen die Behörden nicht vor, so dass das „FAF-Verbot“ letztlich konsequenzlos für die bayerische Neonaziszene blieb.

Nach dem Scheitern eines Putsches gegen den damaligen NPD-Landesvorsitzenden Ralf Ollert (Nürnberg) auf dem NPD-Landesparteitag 2008 begannen die schon in der FAF führend aktiven Neonazis Norman Kempken und Matthias Fischer zusammen mit dem damaligen „Kameradschaftsbund Hochfranken“-Aktivisten Tony Gentsch (Toepen), sich und andere Neonazis (wieder) jenseits der Parteistrukturen überregional zu organisieren.

Vorbild der bayerischen Neugründung, die zuerst „Nationale Sozialisten Franken“ (NSF), dann „Freies Netz Süd“ (FNS, beidesmal ist die Abkürzung NS enthalten!) genannt wurde, war neben der FAF der Kameradschaftsverband „Freies Netz“ (FN) in Sachsen.

Dass die Fortführung der verbotenen FAF als „Freies Netz Süd“ illegal war und ist, hat bei den Behörden in den letzten Jahren keinerlei Einschreiten nach sich gezogen, bei Pressekonferenzen des Verfassungsschutz wurde eine Kontinuität von der FAF zum FNS vielmehr sogar bestritten. Die Neonazis des FNS agierten daher zunehmend selbstbewusster: das Transparent ‚Macht kaputt was Euch kaputt macht‘ der verbotenen ‚Fränkischen Aktionsfront‘ hängten sie beim FNS-Rechtsrockfestival ‚Frankentag‘ in Mainleus-Schwarzach im letzten Jahr demonstrativ – und von den Behörden ungehindert – über den Eingang (siehe Bilder).

Das „Freie Netz Süd“ hat sich in den Folgejahren schnell zur wichtigsten neonazistischen Struktur in Bayern entwickelt und verfügt heute in allen bayerischen Bezirken über Gruppierungen und Unterbündnisse. Die Homepage des FNS besteht seit Januar 2009. Täglich werden hier Veranstaltungsberichte, Mobilisierungsaufrufe, politische Texte sowie gegen politische Gegner_innen gerichtete Schmähartikel veröffentlicht. Viele der im „Freien Netz Süd“ organisierten ca. zwei Dutzend Neonazigruppen (wie beispielsweise die „Kameradschaft Saalefunken“ in Hof oder der „Aktionsbund“ in Freising) und regionalen Zusammenschlüsse (z. B. das „Aktionsbündnis Oberbayern“ oder das „Nationale Bündnis Niederbayern“) verfügen zusätzlich über eigene Websites im Internet.Im oberfränkischen Oberprex (Landkreis Hof) erwarb das FNS über die Mutter eines Aktivisten im Frühjahr 2010 den ehemaligen Gasthof „Zum Egerländer“. Seither nutzt das „Freie Netz Süd“ die eigene Immobilie („Oberprex 47“) regelmäßig für Veranstaltungen, Feiern und Konzerte.

Zum 1. Mai  mobilisierte das „Freie Netz Süd“ in den letzten Jahren, z. T. in Kooperation mit anderen Neonazigruppen und der NPD, zu überregionalen Großaufmärschen (2009 Weiden, 2010 Schweinfurt, 2011 Heilbronn, 2012 Hof, 2013 Würzburg). Mit Flugblattverteilungen und zahlreichen kleineren Kundgebungen versucht das FNS, bayernweit Kampagnen  durchzuführen, die sich z. B. gegen die Unterbringung von Asylbewerber_innen sowie gegen linke Gruppen und Antifaschist_innen richten oder wahlweise die Demokratie in der Bundesrepublik, Arbeitnehmer_innen aus der EU oder Soldaten der US-Army und Bundeswehr bekämpfen.Mit dem international besetzten Rechtsrockfestival „Europa erwacht“ plant das FNS am 10. August 2013 die nächste Großaktion. Solch internationale Vernetzung und Neonazimusik-Aktivitäten sind kein Zufall: Beste Beziehungen des FNS bestehen zum in der Bundesrepublik seit dem Jahr 2000 eigentlich verbotenen internationalen Rechtsrocknetzwerk „Blood & Honour“ (B&H). Und zwischen „Freiem Netz Süd“ und dem internationalen Neonazi-Netzwerk der „Hammerskin Nation“ (H.S.N.) gibt es gleich mehrere personellen Überschneidungen.

Der starke Staat inszeniert sich

Fast eineinhalb Jahre, nachdem ein von der SPD-Fraktion initiierter Verbotsantrag gegen das FNS im bayerischen Landtag einstimmig verabschiedet wurde, stellte sich der Adressat der damaligen Forderung, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, nun als engagierter „Kämpfer gegen rechts“ dar.

„Meine Damen und Herren, die heutige Aktion zeigt erneut, wie konsequent und entschieden wir gegen Rechtsextremismus vorgehen“, sagte Herrmann auf einer am Mittag einberufenen Pressekonferenz gegenüber den Medien, wobei er das Wort „erneut“ besonders betonte.

Schnell wurde deutlich: Herrmann will mit dem polizeilichen Großeinsatz Imagepflege betreiben, vor allem zugunsten des durch die NSU-Skandale ramponierten Ansehens des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz. Herrmann lobte den Inlandsgeheimdienst ausdrücklich: „Der Polizeieinsatz (…) beruht wesentlich auf Erkenntnissen und Vorarbeiten des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, das das „Freie Netz Süd“ seit seinem ersten Auftreten Ende 2008 beobachtet“.

Und fügte, wohl im Hinblick auf den bevorstehenden Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses, noch hinzu: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, der heutige Einsatz war nur wegen der engen Zusammenarbeit zwischen Verfassungsschutz und Polizei möglich. Dies zeigt, dass es um den Informationsaustausch und um die Kooperation dieser Stellen in Bayern gut bestellt ist.“

„Inszeniertes Durchgreifen“ nennen die Fachjournalist_innen Torben Heine und Henrike Claus in einem im Herbst 2012 in der antifaschistischen Zeitschrift „Lotta“ erschienenen Artikel solche plötzlichen staatlichen Repressionsmaßnahmen, wie die jetztige Großrazzia gegen das FNS. Herrmann inszeniert sich als zentraler Akteur gegen rechts, will das Neonazi-Problem mit juristischen und polizeilichen Mitteln lösen. „Leitbild ist der ’starke Staat'“, wie Heine und Claus schreiben, und bei all den extremismustheoretischen und „ordnungspolitischen Deutungsmustern“ bleibt schließlich kaum Raum für gesellschaftlichen Widerstand gegen Neonazis.Die Definitionsmacht über die Auseinandersetzung mit rechter Ideologie und rechten Strukturen soll damit ausgerechnet bei denjenigen Behörden liegen, die ansonsten immer eher als „Verharmloser“ der neonazistischen Bedrohung aufgetreten sind. Mit dem von Herrmann so gelobten „Landesamt für Verfassungsschutz“ sollen ausgerechnet diejenigen wieder die Deutungshoheit bekommen, die seit Jahren Antifaschist_innen durch die Aufnahme in den Verfassungsschutzbericht zu diskreditieren versuchen. Noch im Mai 2013 hatte der bayerische Inlandsgeheimdienst auf dem von ihm betreuten „Bayern gegen Rechtsextremismus“-Portal Nazigegner_innen, die einem spontanen Aufmarsch von Neonazis des „Freien Netz Süd“ am 10. Mai 2013 in Regensburg entgegengetreten waren, als „Linksextremisten“ beleidigt.

Während der Innenminister von „konsequentem“ und „entschiedenem Vorgehen“ gegen die extreme Rechte sprach, demonstrierte sein Ministerium gleichzeitig, was es darunter zu verstehen scheint: Herrmanns Mitarbeiter_innen ließen die beiden bekannten oberbayerischen „Freies Netz Süd“-Aktivisten Thomas Schatt und Lorenz Maierhofer, die seit Jahren vor allem durch Anti-Antifa-Arbeit und aggressives Vorgehen gegen Journalist_innen auffallen, an der Pressekonferenz im Innenministerium teilnehmen.

Quelle: a.i.d.a.

Das Engagement des JuZ Weißenburg wird ausgezeichnet

Das Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen gratuliert seiner Mitgliedsorganisation dem Freundeskreis Jugendzentrum e.V. zum Karl-Heinz-Hiersemann-Preis 2013 der SPD. Mit ihm werden mittelfränkische Jugendliche oder Jugendgruppen (einschließlich Schülerinnen und Schüler, Schülergruppen oder Klassen) gewürdigt, die sich besonders verdient gemacht haben für die friedliche Verständigung zwischen den Völkern, für den Aufbau einer lebendigen Demokratie, gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit und deren Handeln von Zivilcourage und Toleranz geprägt ist.

Der Karl-Heinz-Hiersemann-Preis soll aber nicht nur eine Ehrung für die Ausgezeichneten sein, sondern gleichzeitig ein Appell, sich weiterhin um Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und um eine demokratische Gesellschaft zu bemühen. Der Preis hat seinen Namen im Gedenken an den am 15. Juli 1998 verstorbenen Karl-Heinz-Hiersemann, der unter anderem Vorsitzender des SPD-Bezirks Franken und Kreisvorsitzender der SPD Erlangen sowie Vizepräsident des Bayerischen Landtages war. Der Preis wurde erstmals 1999 verliehen.

Gegenkundgebung: Schöner leben ohne Nazis – Weißenburg wehrt sich!

Am kommenden Dienstag will die rassistische und rechtsradikale NPD in Weißenburg eine Kundgebung im Rahmen ihrer „Bayerntour“ durchführen. Diese soll in der Zeit von 13.00 bis 16.00 Uhr auf dem Weißenburger Marktplatz stattfinden. Als Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen haben wir auf dem Wendehammer, am Ende der Luitpoldstraße, eine Gegenkundgebung unter dem Motto „Schöner leben ohne Nazis – Weißenburg wehrt sich!“ angemeldet.

Weitere Kundgebungen von Mitgliedsorganisationen des Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen werden in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes angemeldet werden. Wir rufen die Bevölkerung zum lautstarken und kreativen Protest auf. Wie im letzten Jahr wollen wir zeigen, dass weder in Weißenburg noch anderswo Platz ist für die menschenfeindliche Propaganda der Nazis.

 

GEW Weißenburg-Gunzenhausen gedenkt dem vom NSU ermordeten Halit Yozgat in Kassel

Die GEW-Kreisvorstandsmitglieder Michael Bratenstein und Harald Dösel besuchten im Rahmen einer bildungspolitischen Fortbildungsfahrt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach Kassel auch den nach dem vom „NSU“ ermordeten Halit Yozgat benannten „Halitplatz“ in der Holländischen Straße.

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Yozgat, der in der nordhessischen Stadt ein Internetcafe betrieb, war das neunte Opfer der rechtsradikalen Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“, die zwischen 2000 und 2007 für insgesamt 10 Morde an Migranten und an einer Polizistin sowie für das Kölner Nagelbombenattentat im Jahr 2004 verantwortlich gemacht wird. Am Donnerstag, den 6. Juni 2006, gegen 17 Uhr, wurde Halit Yozgats Leben in seinem Internetcafe von zwei Kugeln beendet. Eine brutale, mörderische Tat, die – wie die anderen des „NSU“ – aus rein rassistischen Motiven geschah.

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Harald Dösel und Michael Bratenstein sind sich einig, dass die Aufdeckung der Taten des „NSU“ im Jahr 2011, die zugleich in erschreckender Weise das langjährige Versagen und die unglaubliche Ignoranz von Verfassungsschutz und Polizei in der Auseinandersetzung mit rassistischer und neonazistischer Ideologie sowie Gewalt aufzeigten, dazu führen muss, nun endlich konsequent und wirkungsvoll gegen rechtsradikale Strukturen in Deutschland vorzugehen: „Das sind wir vor allem den Ermordeten und ihren Angehörigen schuldig“, so Harald Dösel, „wie sonst sollten sie jemals wieder Vertrauen in unseren Rechtsstaat gewinnen können?“.

Nazi-Schmierereien im Stadtgebiet von Gunzenhausen

Nachdem in Bergen am 11./12. Mai 2013 zwei Autos durch eingeritzte Hakenkreuze beschädigt worden sind, siehe dazu auch den Artikel “NS-Symbole in Autolack geritzt” vom 14. Mai 2012, wurden nun neue Vorfälle neonazistischer Propaganda, diesmal in Gunzenhausen, bekannt.

Wie Presseberichten des Altmühlboten sowie des Weißenburger Tagblatts zu entnehmen ist, haben offenbar rechtsradikale Täter*innen neonazistische Schmierereien mittels Spraydosen, darunter vor allem Hakenkreuze, angebracht. Laut Polizei dürfte die Tatzeit in der Nacht vom vergangenen Samstag, den 25. Mai 2013, auf Sonntag liegen.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei beschmierten die Täter*innen dabei Verkehrsschilder, einen Gehweg, einen Parkplatzboden sowie drei Altkleider- und einen Altglascontainer. Ebenfalls beschmiert wurde ein Mauerstück an der Stadtbücherei. Soweit der Weg der Täter bisher rekonstruiert werden konnte, führte sie dieser von der Skateranlage Gunzenhausen über die Schützenstraße in Richtung Isle-Platz. Danach kreuzten sie offenbar die Weißenburger Straße und bewegten sich zur Austraße. Wie die Polizei anmerkte könnte der Weg auch in umgekehrter Richtung gegangen worden sein.

Die Regionalzeitungen berichteten weiterhin darüber, dass das zuständige Fachkommissariat der Kripo Ansbach die Bevölkerung um Hinweise zur Ergreifung der Täter bittet: Hierzu sollen verdächtige Wahrnehmungen in der Nacht von Samstag auf Sonntag gemeldet werden. Außerdem solle auf weggeworfene Spraydosen oder mit Farbe beschmutzte Handschuhe geachtet werden.

NoNPD-Kampagne endet mit Sonnenschein in Gunzenhausen

Am Donnerstag, den 23. Mai 2013, sammelte das Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen wieder Unterschriften zur Einleitung eines neuen Verbotsverfahrens gegen die neonazistische NPD.

In der Zeit von 10 bis 12 Uhr konnten zahlreiche Bürger*innen, bei Sonnenschein während des Markttages in Gunzenhausen, die NoNPDKampagne – NPD-Verbot jetzt! der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) mit einer persönlichen Unterschrift unterstützen. In der knappen Zeit kamen 109 Unterschriften zusammen, welche von den politischen Verantwortungsträger*innen ein konsequentes Handeln gegen die menschenverachtende Ideologie der neofaschistischen NPD einfordern.

Landtagsabgeordnete Naaß unterstützt die Kampagne

Als einer der Erstunterzeichnerinnen in Gunzenhausen engagiert sich auch Landtagsabgeordnete Christa Naaß gegen rechtsradikale Umtriebe und unterstützt die aus ihrer Sicht dringend notwendige Kampagne. In persönlichen Worten bedankte sie sich bei den Nazi-Gegner*innen des Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen für ihre jahrelange politische Aufklärungsarbeit.

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Landtagsabgeordnete Christa Naaß fordert ein richtiges Verbotsverfahren gegen die neonazistische NPD

Das Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen beendete mit diesem dritten Infostand, nach Weißenburg und Treuchtlingen, seine aktive Unterstützung der NoNPD-Kampagne. Insgesamt konnten bisher über 380 Unterschriften gesammelt werden. Unterstützer*innen werden gebeten die ausstehenden Unterschriftenlisten an Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen, Postfach 223, 91771 Weißenburg zurückzuschicken.

In Gunzenhausen für ein Verbot der NPD unterschreiben

Am Donnerstag, den 23. Mai 2013, sammelt das Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen ein letztes Mal Unterschriften zur Einleitung eines neuen Verbotsverfahrens gegen die neonazistische NPD. In der Zeit von 10 bis 12 Uhr kann auf dem Marktplatz von Gunzenhausen die NoNPD-Kampagne der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) mit einer persönlichen Unterschrift unterstützt werden. Erstunterzeichner bei den beiden bisherigen Sammlungen in Weißenburg und Treuchtlingen waren Landrat Gerhard Wägemann, Oberbürgermeister Jürgen Schröppel und Bürgermeister Werner Baum.

Wenn auch Sie die NoNPD-Kampagne unterstützen wollen, können Sie sich gerne direkt am Infostand eigene Unterschriftenlisten mitnehmen oder sie direkt hier runterladen. Zurückschicken können Sie die Listen an: Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen, Postfach 223, 91771 Weißenburg.

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NS-Symbole in Autolack geritzt

Wie das Weißenburger Tagblatt in seiner Ausgabe vom 14. Mai 2013 berichtete, haben offenbar Rechtsradikale am vergangenen Wochenende, in der Nähe des Sportplatzes in Bergen dort parkende Autos beschädigt und unter anderem nationalsozialistische Symbole in den Lack zweier Autos geritzt. Offenbar handelt es sich um Hakenkreuze, wie das Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen aus gut unterrichteter Quelle erfahren konnte.

Betroffen sind der Opel eines 22-jährigen Weißenburgers sowie der Mitsubishi einer 19-Jährigen. Bei beiden Pkws entstand nach Angaben der Polizei ein Sachschaden von jeweils ca. 1500 Euro.

Neonazis aus dem Landkreis WUG in Regensburg dabei

Kurzfristig hatte das Kameradschaftsnetzwerk „Freies Netz Süd“ am Freitag, dem 10. Mai 2013 zu einer Demonstration in Regensburg aufgerufen. Anlass war die Verletzung eines mutmaßlichen Gesinnungsgenossen durch einen Messerstich im Rahmen eines Streits in einem Linienbus in den frühen Morgenstunden. Trotz einer geringen Mobilisierungszeit demonstrierten genug Regensburger Bürgerinnen und Bürger gegen den Aufmarsch, so dass dieser bereits nach wenigen Metern zum Stillstand kam.

Bekannt wurde der Aufmarsch, der als Spontanversammlung im Laufe des Tages bei den Regenburger Behörden angezeigt worden sein soll, erst gegen 18.00 Uhr. Mit einem für 19.00 Uhr angesetzten Beginn blieb den Bürgerinnen und Bürgern nur etwa eine Stunde Zeit, um auf den Nazi-Aufmarsch hinzuweisen. Dennoch fanden sich später genug ein, um ein weiteres Mal Rechtsextremisten den Marsch durch die Altstadt zu verwehren.

Auf der Gegenseite waren Neonazis aus ganz Bayern angereist. Kurz vor 19.00 sammelten sich die ersten am Taxistand, um dann von der Polizei in den üblichen Bereitstellungsraum in den kleinen Park geführt zu werden. Der Raum füllte sich sukzessive mit dem harten Kern des Freien Netz Süd. Einzelne Nazis nahmen die Anreise aus Bayreuth, Weißenburg (Martin B. und Nancy N. sowie Joshua W. aus Treuchtlingen, Anm. d. Red.), Würzburg und aus Schwaben auf sich.

An den beiden Ausgängen postierten sich aber zusehends immer mehr GegendemonstrantInnen, so dass die letzten Gruppen anreisender Neonazis nur mehr unter Schwierigkeiten zu den anderen gebracht werden konnten. Bei einer Rangelei gelang es Nazis, einem Gegendemonstranten einen Beutel zu entreißen und die Flugblätter im Inneren unter Applaus der Kameraden auszukippen. Andere zerrissen demonstrativ die Flyer.

Kurz nach 20.00 Uhr began sich die Kundgebung der Nazis aufstellen. Am Nordausgang des Park kam man nicht weiter, so dass die Polizei die Nazis über die Wiese durch den Park führte, mit »Ausgang« auf Höhe der Albertstraße. Dort wurde der Zug allerdings erneut länger blockiert. Diese Blockade hielt länger Zeit. Die Polizei fand eine Lücke und versuchte seitlich vorbeizukommen, nur um nach wenigen Metern wieder blockiert zu werden. Stillstand war dann etwa auf Höhe der Sparkassen-Filiale / Luther-Wohnheim in der Maximilianstraße, 150 Meter vom Bahnhof entfernt. Gelaufen wurden wohl keine 100 Meter.

Mit der einsetzenden Dunkelheit wurde allmählich auch die Zeit für die Kundgebung knapp. Über den mittlerweile eingetroffenen Lautsprecherwagen wurden nun die geplanten Ansagen gehalten. Aber mehr als einen kurzen Hinweis auf den Anlass, gefolgt von rassistischen Parolen brachte man an dem Tag nicht zustande. Im Abstand wurde das Prozedere mehrfach wiederholt. Die GegendemonstrantInnen skandierten „auflösen!“

Etwa gegen 21.15 Uhr verkündeten dann die Neonazis selbst über ihr Lautsprecherfahrzeug, dass die Polizei den „polizeilichen Notstand“ ausgerufen hätte. Damit signalisiert die Polizei, dass sie die Kundgebung nicht mehr unter dem Einsatz verhältnismäßiger Mittel durchsetzen kann. In solchen Fällen muss dann das Demonstrationsrecht zurückstehen. Die Neonazis verkündeten die Auflösung der Kundgebung, drohten aber mit einem Besuch des Regensburger Nachtlebens, wo sie schon selber für „ihre Sicherheit“ sorgen wollten.

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Mehrere außerhalb eines Polizeikessels, westlich vor dem Bahnhof, stehenden Nazis. Darunter auch AktivistInnen der Freien Nationalisten Weißenburg – Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/86966#

Unter Polizeischutz wurden die Neonazis zurück zum Bahnhof geführt. Unterwegs gelang es größeren Gruppen aus der lockeren Polizeikette auszubrechen und unkontrolliert in Richtung Bahnhof und danach links weg Richtung Galgenberger Brücke zu laufen. Dabei soll es auch zu Zusammenstößen mit GegendemonstrantInnen gekommen sein. Die Polizei sammelt die größere Gruppe dann auf dem Bahnshofsvorplatz wieder ein. Dort belagerten sich Neonazis und Gegendemonstrant_Innen noch über eine längere Zeit, bis die Polizei sie zu den Zügen bzw. zu ihren Autos führte.

Bei den Neonazis trat Mike Edling zu Beginn, als die Situation noch übersichtlich war, als möglicher Organisator in Erscheinung. FNS-Kader wie Matthias Fischer, Roy Asmuß oder Karl Heinz Statzberger hielten sich an dem Tag eher zurück. Anwesend war auch der Oberpfälzer NPD-Bezirksvorsitzende Heidrich Klenhart, sowie seine vor etwa einem Jahr ausgetretenen Vorstandskollegen Robin Siener und Daniel Weigl. Auf der Seite der GegendemonstrantInnen beteiligten sich für die kurze Mobilisierungszeit erstaunliche 300 vor allem junge Menschen. Die Polizei handelte soweit beobachtet umsichtig. Der Abbruch der Demonstration war angesichts des massiven gesellschaftlichen Widerstands vertretbar und richtig.

Quelle: Endstation Rechts

Mehrere außerhalb des neuen Polizeikessels, westlich vor dem Bahnhof stehenden Nazis